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Kartentelefon
Lutz Hübner
11 | FRAU MÜLLER MUSS WEG
Schauspiel. Unter Mitarbeit von Sarah Nemitz.
Wiederaufnahme | Donnerstag, 27. August 2015 | 20 Uhr
Vorstellungsdauer | 1 1/2 Stunden | Keine Pause

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Elternabend in der Klasse 4b. In drei Monaten gibt es die Zeugnisse, nach denen sich die weitere Schullaufbahn der Kinder zwischen Gymnasium, Real- oder Hauptschule entscheidet. Eine Entscheidung, die die Eltern der 4b nicht tatenlos abwarten werden. Sie haben ihr Urteil gefällt und tragen ein Misstrauensvotum in der Tasche: Frau Müller, die Lehrerin, muss weg, ehe sie die Zukunft ihrer Kinder vernichtet. Denn nach drei fast glücklichen Grundschuljahren haben sich die Noten der Klasse dramatisch verschlechtert: Janine hat Angst vor der Schule, der neu hinzugekommene Lukas findet keine Freunde in der Klasse und die Kinder berichten zu Hause von einer Lehrerin, die vor der Klasse weint und früher gehen muss, um ihre Therapie wahrzunehmen – und das in einem Halbjahr "von dem das Wohl und Fortkommen" der Kinder abhängt.

Da kann man doch nur das pädagogische Konzept bezweifeln, wenn es überhaupt eins gibt. Doch Frau Müller, Pädagogin aus Leidenschaft, mit Prinzipien und 19 Jahren Berufserfahrung, schlägt zurück! Und so ist, als sich die Wogen im Klassenzimmer wieder glätten, der Abend auch noch lange nicht vorüber . . .

Bei Kindern hört der Spaß auf – mit scharfzüngigem Witz, rasanten Dialogen und einem diabolischen Augenzwinkern zeigt sich das Desaster eines Elternabends.

Als präziser Beobachter von Gesellschaft und Gegenwart ist Lutz Hübner einer der meistgespielten deutschsprachigen Gegenwartsdramatiker. Laut Statistik des Deutschen Bühnenvereins wird er in der Anzahl der Aufführungen nur noch von Shakespeare und Goethe übertroffen.

Inszenierung | Kathrin Sievers
Bühne & Kostüme | Annette Wolf

Mitwirkende | Florian Bender [Patrick Jeskow] | Alice Zikeli [Marina Jeskow] | Antje Mairich [Katja Grabowski] | Sabrina vor der Sielhorst [Jessica Höfel] | Sven Heiß [Wolf Heider] | Monika Hess-Zanger [Sabine Müller]

Fotos © duema-media / Ingo Kannenbäumer


PRESSESTIMMEN

[E]in Erfolg auf ganzer Linie: Szenenapplaus, immer wieder Lacher und Gejuchze, am Schluss enthusiastischer Beifall. Das liegt nicht nur am gut gebauten, pointenreichen Stück, sondern auch an den spielfreudigen Darstellern und Regisseurin Kathrin Sievers, die die 90 Minuten perfekt abschnurren lässt. [...] Regisseurin Sievers lässt Schauspielerin Monika Hess-Zanger vernünftig, ruhig und sympathisch argumentieren und auch agieren. Doch selbst der Zuschauer betrachtet die Lehrerin anfangs mit den argwöhnischen Augen der Eltern und stempelt sie als unfähig ab – was von Ausstatterin Annette Wolf durch das trutschige Kleidchen noch unterstützt wird. Letztlich ist die Paukerin aber die einzig integre Person. [...]

Das Stück ist auch ein gefundenes Fressen für die Schauspieler. Sabrina vor der Sielhorst brilliert als eiskalte Verwaltungsbeamtin, die nichts mehr nervt als ihre Tochter. Saskia Boden glänzt als tumb-hysterische Exil-Kölnerin mit ADS-Kind. Florian Bender ist ihr scheuer, aber auch rigoroser Gatte. Antje Mairich als verhuschte Museumspädagogin darf mit Sven Heiß als Hartz-IV-Empfänger kurz eine alte Affäre hinter der Riesentafel aufwärmen. [...] Ein Muss für alle, die Kinder haben. Und für die, die nie welche haben möchten.
Münstersche Zeitung, 22.9.12

Sabrina vor der Sielhorst im schicken Hosenanzug spielt eine Pflegschaftsvorsitzende, an deren Verhalten der eigentliche Grund für das Tribunal abzulesen ist. „Es geht darum, die Blagen durchzubringen!" Sven Heiß ist der verzweifelte Vater, der mehr Angst vor dem Zeugnis hat als seine Tochter, und neben seiner Ehe mit einer der Mütter angebändelt hat. Saskia Boden spielt mit aussagekräftiger Mimik eine Mutter, die ständig mit ihrem Ehemann Florian Bender streitet. So hat jeder Elternteil neben seinen Sorgen um den nicht immer talentierten oder pflegeleichten Sprössling noch viele eigene. Frau Müller (überzeugend dargestellt von Monika Hess-Zanger) lässt sich aber nicht zur Projektionsfläche von Unsicherheit und Unzulänglichkeit machen und hält souverän an ihren Prinzipien fest.
Die Glocke, 22.9.12

Wie Hühner auf Stange sitzen sie da und bilden das Gegenstück zu den Halloween-Kürbissen, die hinter Frau Müller hängen: ein schönes Bild, das Regisseurin Kathrin Sievers und Ausstatterin Annette Wolf im Wolfgang-Borchert-Theater für Lutz Hübners Stück „Frau Müller muss weg" geschaffen haben. Und mit dem sich bereits andeutet: Diese tapfere Fünfertruppe hat gegen die souveräne Pädagogin eigentlich keine Chance.

Hübners Dramaturgie ist so schlicht wie überzeugend: Nach dem Aufeinanderprallen der ungleichen Parteien verlässt Frau Müller, von Monika Hess-Zanger als in sich ruhende Person gezeichnet, aufgewühlt das Schlachtfeld. Was die nicht minder erregten Eltern zu ihrer internen Zimmerschlacht treibt – und von der Regisseurin mit Wonne ausgekostet wird. Denn Hübners Figuren, eher grob skizziert als fein gezeichnet, bieten herrliches Schauspieler-Futter: Florian Bender als Patrick und Saskia Boden als Marina etwa geben lustvoll ein rheinisches Ehepaar, das eigentlich nach Höherem strebt und mit der Versetzung in den Osten Deutschlands gar nicht zurechtkommt.

Die Verwaltungsbeamtin, die als Sprecherin der Gruppe sehr schnell mit ihrer Strategie scheitert und sich schließlich als Ober-Opportunistin entpuppt, ist eine Paraderolle für Sabrina vor der Sielhorst. Und dem langhaarigen Sven Heiß nimmt man sofort ab, dass er sich in der Rolle des arbeitslosen Vaters zwar sehr um die Tochter sorgt, sie damit aber in den Augen anderer Eltern tyrannisiert. Schließlich ist da noch die Museumspädagogin: Antje Mairich zeichnet sie als eher willensschwache, anlehnungsbedürftige Mutter eines guten Schülers, die sich mit ihrer Solidarität zu den anderen schwertut.
Westfälische Nachrichten, 22.9.12