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Kartentelefon
Ingrid Lausund
25 | BENEFIZ. JEDER RETTET EINEN AFRIKANER
Schauspiel.
Wiederaufnahme | 2017
Vorstellungsdauer | 2 Stunden | Keine Pause

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Fünf engagierte Menschen proben eine Wohltätigkeitsveranstaltung für ein afrikanisches Brunnenprojekt. Sie sind nicht prominent – aber überaus motiviert. Es soll darum gehen, Spendenbereitschaft zu wecken. Wie aber funktioniert das: unterhaltsam über Not und Elend in Afrika reden? Sollte man noch einen "echten" Afrikaner engagieren, damit die Botschaft authentischer rüberkommt? Reden werden geprobt, Wirkungen analysiert, ein Diavortrag wird vorbereitet. Welche Bilder bieten sich an, welche gilt es unbedingt zu vermeiden? Mitunter kommt während der Probe echte Betroffenheit auf und droht, das Spiel der mehr oder weniger professionellen Akteure auszuhebeln.

Natürlich stellt sich auch hier die Konkurrenzfrage: Wer steht gerade im Rampenlicht, und wer bekommt warum welche Rede- und Spielanteile? Wo bleibt bei allem Engagement die Kunst – und was macht eigentlich die Palme auf der Probebühne? Die fünf Benefiz-Akteure versuchen krampfhaft locker zu bleiben, schließlich soll alles professionell ablaufen. Und so verheddern sie sich heillos in Pauschalisierungen, Vorurteilen und anscheinend unvermeidlichen politisch-korrekten Vermeidungsstrategien. Bis zu einer für alle Beteiligten unvermuteten Wendung . . .

Ein Stück über die Irrwege der Political Correctness, den Wunsch nach einer besseren Welt und die Tücken unserer Wohltätigkeits-Gesellschaft.

Ingrid Lausund war Hausautorin und -regisseurin am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, wo zahlreiche ihrer Stücke uraufgeführt wurden, parallel arbeitete sie am Schauspiel Köln. Mittlerweile lebt sie als freie Autorin und Regisseurin in Berlin. Das WBT unterstützt mit BENEFIZ die gemeinnützige Göhde Foundation, die Projekte zur nachhaltigen Verbesserung von Lebensumständen in Afrika umsetzt. Für das erste Projekt der Stiftung, den Brunnenbau im kenianischen Eletepesi, wurden ca. 18.000 € Spenden gesammelt, womit drei Brunnen bereits finanziert sind. Spenden können Sie über das Spendenkonto der Göhde Stiftung:

Kontoempfänger: Göhde-Stiftung
Kontonummer: 37 2222 0 00
BLZ: 400 400 28
Bank: Commerzbank AG Münster

Weitere Informationen entnehmen Sie bitte unseren Mitteilungen und den Seiten der Göhde-Stiftung.

Inszenierung | Tanja Weidner
Bühne & Kostüme | Stefan Bleidorn

Mitwirkende | Florian Bender [Leo, ein jüngerer Mann] | Anuk Ens [Christine, über ihr Alter wird spekuliert] | Sven Heiß [Rainer, ein Mann mittleren Alters] | Hannah Sieh [Eva, eine jüngere Frau] | Jürgen Lorenzen [Eckhart, ein älterer Mann]

Fotos © duema-media / Ingo Kannenbäumer


Bilder der Situation vor Ort

aufgenommen auf der 5-tägigen Kenia-Reise von Regisseurin Tanja Weidner und Intendant Meinhard Zanger, gemeinsam mit Familie Göhde

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Fotos © Tanja Weidner



PRESSESTIMMEN

"Benefiz. Jeder rettet einen Afrikaner" war — nach "Oleanna" in der Kategorie Drama — der zweite Beitrag des Wolfgang Borchert Theaters Münster bei den 2. Hamburger Privattheatertagen. Die Inszenierung Tanja Weidners liegt in der Kategorie Komödie sowohl mit ihren drei Mitbewerbern als auch mit Ingrid Lausunds Urfassung gut im Rennen, wie der lang anhaltende, teils sogar begeisterte Schlussapplaus zeigte. [...]

Anuk Ens, in Hamburg aus dem Schauspielhaus und dem Ernst Deutsch Theater bekannt, will als Diva das Wort führen, droht aber ebenso an der Political Correctness zu scheitern wie die von Saskia Boden toll verkörperte Betroffenheitstussi ("Ich find's schlimm, ganz schlimm"). Wie nur das Wort "Hungerkatastrophe" richtig aussprechen? Der "Bibel-Fuzzie" (Jürgen Lorenzen) erhält für seine moralische Rede großen Applaus.
Hamburger Abendblatt, 12.6.2013

Ist jeder Mensch einem wirklich gleich viel wert oder macht jeder von uns nicht doch Unterschiede? Darf man als Weißer über Schwarzen-Witze lachen? Und warum geben viele lieber zehn Euro für einen Cocktail aus, anstatt ein Kinderleben in Afrika zu retten? Keine leichte Kost, diese Fragen, und doch ist "Benefiz - Jeder rettet einen Afrikaner" ein ausgesprochen leichtes Stück, eine Satire auf den oftmals verklemmt-verschämten Umgang mit dem Thema Armut in Afrika. [...] Das Publikum [hat] oft herzhaft gelacht - manchmal damit allerdings unweigerlich auch über sich selbst. Denn das Herum-Lavieren im engen Korsett der politischen Korrektheit dürfte so manchen selbst schon einmal genauso geplagt haben wie die bange Frage, ob eine Spende und wenn ja, in welcher Höhe angebracht ist. [...]

Ein jeder ringt auf teils schreiend komische Art um sein Stück Aufmerksamkeit bei der Veranstaltung, vor allem die von Anuk Ens gestreng und schnell beleidigt gespielte eitle Frau im Business-Kostüm versucht die Benefiz-Veranstaltung zur Selbstdarstellung zu missbrauchen [...]. Eva (Saskia Boden) wirkt in ihrem weiten Baumwollkleid und dank eines beständig wiederholten "Ich find das ganz ganz schlimm" wie ein Mensch gewordener Korksohlenlatschen auf Speed. [...]. Wenn Satire lachende Erkenntnis ist, dann dürfte der Theaterabend mit einem großen Erkenntnisgewinn verbunden sein.
Norddeutscher Rundfunk, 11.6.2013

Das Umschiffen heikler Worte ist mir alltägliche Atemübung. „Neger" käme nicht über meine Lippen, auch andere Begriffe gehören grundsätzlich in Anführungszeichen ausgesprochen. Und dennoch kann es passieren, dass Worte in bestimmten Zusammenhängen plötzlich kippen – ins Rassistische beispielsweise – denn neben klaren No-Gos gibt es solche, die ihre Bedeutung ändern wie das Chamäleon seine Farbe. Hautfarbe ist ein solches Wort...

Der Probendurchlauf zur Benefizveranstaltung von fünf Gutmenschen gerät zum (Neben)Kriegsschauplatz voller Eitelkeiten, Diskussionen über Peinlichkeitsgrenzen und Ausrutscher auf der nach unten offenen Skala verbaler Entgleisungen. [...] Die Sprache [...] ist reich an Wortwitz, zeigt sich in vielen Farben und endet in schwärzestem Humor. Und gibt mir so viele Anstöße, dass ich innerlich geschubst nach Hause gehe – und nicht mehr sicher bin, welche Worte mir in Fleisch und Zunge übergehen.
Die Deutsche Bühne, 11.6.2013

Der Text der Theatermacherin Ingrid Lausund ist zum Schreien komisch und legt gleichzeitig den Finger in aktuelle Wunden. Er bricht gesellschaftspolitische Probleme gekonnt auf die ganz alltägliche Ebene herunter und sorgt beim Zuschauer immer wieder für Schrecksekunden der Selbsterkenntnis. So auch [...] unter der Regie von Tanja Weidner vom Wolfgang Borchert Theater aus Münster, der von peinlich berührter Stille über herzhaftem Lachen bis zu betretenen Schlucken alles bereit hielt.
hamburgtheater, 11.6.2013

Die Adventszeit naht, und die Spendenbüchsen klingen immer lauter. Auch in Münsters Wolfgang-Borchert-Theater findet sich das Publikum sofort im Visier der fünf Darsteller – Zielpeilung: Tränendrüse und Geldbörse. Man möge bitte die Brieftaschen auf die Bühne werfen! Vertreter des Charity-Business bringen sich in Stellung. Da wären der studentische Kreative (Florian Bender), die naive Öko-Schlunze (Saskia Boden) und sogar die taffe Managerin (Anuk Ens). Und dann werden sämtliche Aspekte wohlmeinender Wohltätigkeit bis zur Schmerzgrenze verhandelt. Die Satire „Benefiz. Jeder rettet einen Afrikaner" geht unter die Haut und macht nachdenklich.

Anfangs sieht es nicht so aus, als würde das engagierte Stück von Ingrid Lausund den Balance-Akt schaffen. Es ist nämlich mit einem realen Brunnenbau-Projekt in Afrika gekoppelt, unterstützt auch vom Borchert-Theater. Das Motto „Spenden sind ein Muss" ist also dem Stück fest eingewoben – wo soll hier Platz für Satire sein?

Kein Wunder, dass Regisseurin Tanja Weidner den Beginn wie ein arg putziges Kabarett über Gutmenschen-Klischees anlegt. Muss man die Schwarze Valeria denn unbedingt „Afro-Münsteranerin" nennen? Dem Publikum wird die Lizenz zum Lachen erteilt, wenn Saskia Boden sich immer wieder empört: „Ich find's ganz schlimm, was du sagst!" [...] Tröpfchenweise perlt die Ironie von den Figuren ab. Bis ausgerechnet der feiste Kitsch-Bruder Eckhart (toll: Jürgen Lorenzen) einen flammenden Appell für Barmherzigkeit und den Wert des Lebens anstimmt. Das trifft in den Bauch: Die Wut über das Unrecht, die Scham über das eigenen Nichtstun.
Westfälische Nachrichten, 24.11.2012

Political Correctness ist keine einfache Sache, das wird den Protagonisten in „Benefiz. Jeder rettet einen Afrikaner" schnell klar. Das Stück von Ingrid Lausund, das in Münsters Borchert-Theater unter der Regie von Tanja Weidner Premiere hatte, ist eine Satire auf das Wohltätigkeitswesen. Fünf Deutsche planen eine Veranstaltung, um Geld für den Bau eines Brunnens in Kenia zu sammeln und versuchen dabei alle Klischees zu vermieden, die sie in die Nähe unreflektierten Gutmenschentums rücken könnten. Das Publikum erlebt eine der letzten Proben für die Veranstaltung und dabei alle Unstimmigkeiten und Eifersüchteleien hautnah mit.

Die fünf Wohltäter sind ihrer Art her recht verschieden. Da ist zum Beispiel Leo (Florian Bender), der mit den anderen ein traditionelles afrikanisches Lied einstudiert, das sich als Fälschung entpuppt. Oder Christine (Anuk Ens), die auf Professionalität pocht und die Sache wie eine Moderatorin aus dem Kulturfernsehen angeht. Eckhart (Jürgen Lorenzen) verfügt scheinbar über theologischen Hintergrund und legt den Tenor auf die Nächstenliebe. Rainer (Sven Heiß) bevorzugt Fakten, ist aber schlecht vorbereitet und siedelt bei seinem Vortrag Kenia mal im Osten, mal im Westen Afrikas an. Fünfte im Bunde ist Eva (Saskia Boden), ein verdruckstes Mädchen, das auf der Betroffenheitsschiene fährt und immer alles gleich persönlich nimmt.
Münstersche Zeitung, 24.11.2012

Tanja Weidner inszeniert das Theaterstück von Autorin Ingrid Lausund als intelligentes witziges Schauspiel, in dem sich die Frage stellt, wie betroffen wir vom Elend anderer wirklich sind. Und in dem - wie immer, wenn mehrere Menschen einen gemeinsamen Nenner suchen – die klassischen gesellschaftlichen Mikroprozesse in Gang kommen. Allen voran begeistert Saskia Boden das Publikum. Sie spielt die impulsive Eva, die vor lauter Gefühlsduselei die ganze Nacht durch gestrickt hat, um die Palme – neben Wasserkanistern einziges Requisit auf der Bühne – mit den Wollteilen zu ummanteln. Dabei gibt doch eigentlich die nüchterne Christine (Anuk Ens) die Betroffenheit vor – und wer wann an dem Benefiz-Abend in Tränen ausbricht. Ihr Vortrag über Solidarität entpuppt sich dann auch als abgekupfert.

Nein, man ist sich nicht einig bei diesem „Emotionsgedingsel", wie Sven Heiß als wunderbar genervter Rainer feststellt. Seinem Referat über den tatsächlichen Wert des Menschen in unserer Gesellschaft lässt Eckhart (Jürgen Lorenzen) entrüstet Zitate aus dem Alten Testament folgen.

Spielfreude und Tempo kennzeichnen das zweistündige Stück, das auf humorvolle Weise den Finger in die Wunde legt und das Gutmenschentum entlarvt. Ihren schönsten Auftritt haben „die Waltons", wenn sie zum fröhlichen „Ukululee" anstimmen und dabei afrikanisch mit dem Po wackeln. Das von Leo (Florian Bender) komponierte Lied erinnert zwar an „Klingelingeling, hier kommt der Eiermann", aber was soll's? „Das merkt doch keiner!"
Die Glocke, 24.11.2012

Die Regisseurin Tanja Weidner lässt ihr tolles Komödianten-Ensemble nie zu sehr in den Klamauk rutschen. Unter dem Witz liegt eine ernsthafte Basis, denn Hunger und Armut in Kenia sind ja echt. Die Satire richtet sich darauf, wie Wohlstandsbürger Betroffenheit vermitteln. Gewissenskitsch ist peinlich. Aber richtig fies wirken die falschen Tränen der Moderatorin, die sich in ihrer Performance sehr gestört fühlt, als plötzlich jemand richtig weint. [...] Am Ende bekommen die Schauspieler noch eine Drehung ins Ernsthafte hin und sammeln Spenden, denn es gibt einen Moment in dem auch in der Satire, in dem der Spaß wirklich aufhört. Ein hervorragend gespielter Abend zwischen Theater und Kabarett. [...] Fazit: Treffsichere, bissige Satire auf Gutmenschen, die in die Fallgruben der politisch korrekten Wortwahl stürzen. Regisseurin Tanja Weidner lässt die hervorragenden Komödianten nie in den Klamauk gleiten, denn Hunger und Armut in Afrika sind echt.
WDR5-Scala, 26.11.2012